US-Plan zur Teilung Syriens kann neue Fluchtbewegung auslösen

Deutsche Wirtschafts Nachrichten

Die Denkfabrik des Pentagon will Syrien nach dem Vorbild Bosniens aufteilen. Die Folge wären ethnische Säuberungen und neue, massive Fluchtbewegungen.

Vorschlag zur Verwaltung und Aufteilung Syriens. (Grafik: RAND Corporation)

Vorschlag zur Aufteilung Syriens. (Grafik: RAND Corporation)

Die RAND Corporation, eine führende US-Denkfabrik, die dem Pentagon nahe steht, hat einen Bericht veröffentlicht, in dem sie für eine Lösung des Syrien-Konflikts das „bosnische Modell“ vorschlägt. „In diesem Sinne wird der Frieden – wie in Bosnien Mitte der 1990er Jahre – durch demografische Veränderungen vor Ort, die externe Zustimmung für derartige Veränderungen und die Erschöpfung der Kampfparteien erleichtert werden. Anders als in Bosnien, würde der Frieden aber nicht aus einer detaillierten formalen Vereinbarung, sondern aus einer Reihe von lokalen und internationalen Verständnissen entstehen. Um die vielfältigen Verständnisse zu erreichen, ist das Waffenstillstandsabkommen von Russland, der Türkei und dem Iran ein guter Ausgangspunkt, aber es ist unzureichend. Nachhaltige langfristige Vereinbarungen werden am effektivsten sein, wenn sie das Einverständnis anderer wichtiger Akteure beinhalten, darunter die USA, ihre Golfpartner und andere Unterstützer der Opposition gegen Assad.“

Die RAND Corporation fordert eine Dezentralisierung des Landes in Kontrollzonen. Das Gebiet von der Westküste bis nach Deir Ezzor unter Ausschluss von Rakka soll von der Regierung in Damaskus und den Russen kontrolliert werden. Das von der Türkei im Rahmen der Operation Euphrates Shield befreite Gebiet und die Provinz Idlib würde unter türkischer Kontrolle stehen. Das südliche Gebiet in Daraa – an der Grenze zu Israel – würde ebenfalls unter einer von der RAND Corporation nicht näher beschriebenen „Opposition“ kontrolliert werden. Ein Großteil Nordsyriens würde von den Syrisch Demokratischen Kräften (SDF), die aus Kurden-Milizen bestehen und von den USA geführt werden, kontrolliert werden.

Besonders bemerkenswert ist, dass die RAND Corporation vorschlägt, die ISIS-Hochburgen und Öl-Zentren Rakka und Deir Ezzor unter eine „internationale Administration“ zu stellen. „Wir empfehlen daher, dass die USA die Provinz Rakka nach ihrer Befreiung unter eine internationale Übergangsverwaltung stellt, wodurch ein neutrales Gebiet geschaffen wird, das weder vom Regime noch von der Opposition bis zur endgültigen Lösung des Bürgerkriegs gehalten wird.“ Das Gebiet soll von der UN kontrolliert werden, die wiederum Provinzräte einsetzt. Die RAND Corporation spricht sich aber dagegen aus, dass eine reine UN-Friedenstruppe in die internationale Zone entsendet wird. Stattdessen müssten die USA und Russland den Einsatz einer „Koalitions-Truppe“ organisieren, die ein UN-Mandat erhält. Mit einer derartigen Lösung wären nicht nur die USA und Russland, sondern auch die Türkei „und weitere regionale US-Verbündete“ einverstanden, die Rakka und Deir Ezzor weder der Kontrolle durch die Terror-Miliz ISIS noch der Kontrolle durch die Kurden-Milizen überlassen möchte, so die RAND Corporation.

Auf der Landkarte zur Neuordnung Syriens fällt auf, dass die Stadt Manbidsch im Norden Syriens sich in der türkischen Zone befindet. Dabei hat die türkische Armee Manbidsch noch nicht eingenommen und die Kurden-Milizen der YPG sind dagegen, dass die Stadt von den Türken eingenommen wird. Allerdings hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan zu Beginn der Woche gesagt, die Türkei werde nach der Befreiung von Al-Bab nach Manbidsch ziehen, um es einzunehmen.

Im vergangenen Jahr wurde Manbidsch von den Kurden-Milizen eingenommen. Derzeit befinden sich in Manbidsch zahlreiche Verbände der Kurden-Milizen, doch die Bevölkerung ist mehrheitlich arabisch und turkmenisch.

Die Pläne zur Teilung Syriens sind in höchstem Maße problematisch: Bereits jetzt ist es im Syrien-Krieg zu massiven ethnischen Säuberungen gekommen. Diese wurden anhand der geplanten Erdöl-Pipelines vorgenommen. Eine territoriale Gliederung nach Ethnien würde den Trend zu Vertreibung massiv beschleunigen. Neue Fluchtbewegungen wären die Folge. Diese kämen dann auf Europa zu – das gerade verzweifelt versucht, sich abzuschotten. 

 

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/02/25/usa-planen-internationale-verwaltung-in-syrien/?nlid=82ffb9fcbc

Posted under Fair Use Rules.

 

Advertisements

RAND Corporation’s plan for dicing up Syria

February 26, – Fort Russ News –

– Deutsche Wirtschafts Nachrichten, translated by Tom Winter –

“Suggestion for the division of Syria. (Graphic: RAND Corporation)” Interesting note: But what about the Golan Heights?

US plan for the division of Syria may set off a new wave of refugees

The think tank of the Pentagon wants to divide Syria according to the model of Bosnia. The result would be ethnic cleansing and new, massive flood of immigrants.

The RAND Corporation, a leading US think tank close to the Pentagon, has published a report proposing a “Bosnian model” to resolve the Syrian conflict.

“In this sense, as in Bosnia in the mid-1990s, peace will be facilitated by demographic changes on the ground, external approval for such changes, and exhaustion of the combat parties. Unlike in Bosnia, however, peace would not arise from a detailed formal agreement but from a set of local and international understandings. In order to achieve the various understandings, the cease-fire agreement between Russia, Turkey and Iran is a good starting point, but it is insufficient. Sustainable long-term agreements will be most effective if they involve the consent of other key stakeholders, including the US, its golf partners and other supporters of the opposition to Assad.”

The RAND Corporation calls for a decentralization of the country in control zones. The area from the west coast to Deir Ezzor with the exclusion of Rakka is to be controlled by the government in Damascus and the Russians. The area liberated by Turkey under Operation Euphrates Shield and the province of Idlib would be under Turkish control. The southern area of Daraa, on the border with Israel, would also be controlled by an “opposition” not described in detail by the RAND Corporation. A large part of Northern Syria would be controlled by the Syrian Democratic Forces (SDF), consisting of Kurdish militia and led by the US.

It is particularly noteworthy that the RAND Corporation is proposing to place the ISIS strongholds and oil centers Rakka and Deir Ezzor under an “international administration.” “We therefore recommend that the United States place the Rakka province, after its liberation, under an international transitional administration, creating a neutral territory that is not held by either the regime or the opposition until the final solution of the civil war.” The area should be controlled by the UN, which in turn uses provincial councils. RAND Corporation, on the other hand, argues against sending a purely UN peacekeeping force to the international zone. Instead, the US and Russia would have to organize the deployment of a “coalition force,” which is given a UN mandate. Such a solution would not only tolerate the US and Russia, but also Turkey and other regional US allies, which would not leave Rakka and Deir Ezzor either under the control of the ISIS terrorist militia or control by the Kurdish militia, according to RAND Corporation.

On the Syrian map, it is noticeable that the city of Manbij is placed in the Turkish zone in northern Syria. The Turkish army has not yet taken Manbij, and the Kurdish militants of the YPG are against the city being occupied by the Turks. However, the Turkish President, Recep Tayyip Erdoğan, said at the beginning of the week that after the liberation of Al-Bab, Turkey would move to take Manbij.

Last year, Manbij was taken by the Kurdish militia. There are currently numerous associations of the Kurdish militia in Manbij, but the majority of the population is Arab and Turkmen.

The plans for the division of Syria are highly problematic: already in the Syrian war, massive ethnic cleansings have already taken place. These were carried out based on the planned petroleum pipelines. A territorial breakdown by ethnicity would greatly accelerate the trend towards expulsion. New escape movements would be the result. These would then come to Europe – which is desperately trying to shut itself off.