US-Panzer in Osteuropa – MdB Neu: „Bundesregierung ist hirnlos konform“

Sputnik Deutschland

31.03.2016
Übung litauischer, polnischer und ukrainischer Truppen (Archiv)
Mit Soldaten, Panzern und schwerem Kriegsgerät wollen die USA ihre Präsenz im Osten Europas verstärken. Die Bundesregierung schweigt offiziell, viele Regierungspolitiker stehen dabei aber ganz offen hinter Washington. „CDU, SPD und Grüne gehen damit hirnlos konform“, kritisiert Dr. Alexander Neu, der die LINKE im Verteidigungsausschuss vertritt.

Herr Dr. Neu, die USA verlegen eine ganze Brigade ihres Militärs in den Osten Europas. Dort soll sie zwischen verschiedenen Staaten rotieren. Wie bewerten Sie dieses Vorhaben?

Laut Medienberichten soll die Verlegung ja Anfang 2017 bis 2018 stattfinden. Das heißt: Wenn Russland so provokativ ist, wie es die Amerikaner behaupten, wundert mich vielmehr, dass man sich bis Februar 2017 Zeit lässt. Angesichts einer so großen Bedrohung durch die Russen, wie es die Amerikaner suggerieren, hätte ich mir doch gedacht, dass das viel schneller geht. Das zeigt mir, dass der Hintergrund nicht eine Aggression Russlands ist, sondern dass man hier eine Gefahr suggeriert, die so nicht gegeben ist. Man versucht, die Russophobie in Europa zu steigern.

In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Washington hieß es, man reagiere mit dieser Truppenverlegung auf den „aggressiven Kurs Russlands”. Das klingt ja fast, wie eine Argumentation aus dem kalten Krieg…

Ich sehe nicht, wo die Aggressivität Russlands gegeben ist. Man kann natürlich über die Krim streiten, da kann man unterschiedliche völkerrechtliche Bewertungen anlegen. Ich habe da eine ganz eigene Bewertung, auch vor dem Hintergrund der Zerschlagung Jugoslawiens durch den Westen und der Anerkennung der jugoslawischen Teilstaaten, sowie des Kosovo. Da kann man bei der Krim nicht anders argumentieren, als bei Jugoslawien.

Der Westen hat diesen Präzedenzfall selbst geschaffen. Auch bei der Ost-Ukraine muss man sagen: Der Putsch ging nicht von Russland aus, sondern vom Westen — als die gewählte Regierung Janukowitsch nicht das EU-Assoziierungsabkommen unterzeichnen wollte. Ich sehe also nicht, dass das Baltikum, Rumänien, Bulgarien, Polen in irgendeiner Weise territorial bedrängt oder bedroht werden. Insofern ist das eine sehr abstrakte und fiktive Bedrohung. Man hat das Gefühl, dass sich gewisse osteuropäische Staaten und deren Eliten, sowie amerikanische Eliten gegenseitig in Bedrohungsszenarien befruchten. Und somit wird ein Aggressionskurs Russlands suggeriert, der aber keine materielle Grundlage hat.

Die geplante US-Truppenverlegung soll 4200 Soldaten, 250 Panzer und weiteres Kriegsgerät umfassen. Die Aufrüstung im Osten Europas soll Anfang 2017 beginnen. Präsident Obama hat außerdem eine Aufstockung der US-Verteidigungsausgaben für Europa angekündigt. Wohin steuern die USA außenpolitisch? 

Die US-Amerikaner wollen offensichtlich in Osteuropa und Mittelosteuropa die Suppe gegen Russland weiter beim Kochen halten. Irgendwie ist man der Auffassung, dass man Russland auf Distanz halten muss, weil Russland sich den westlichen Vorstellungen nicht unterordnen will. Man ist der Auffassung, dass man Russland in einem Dauerkonflikt unterhalb eines militärischen Konfliktes halten muss. Dafür braucht man hörige Vasallen in Europa — und die hat man. Man könnte mit Polen und dem Baltikum natürlich noch argumentieren, dass sie eine eigene Geschichte haben, die sie geprägt hat. Aber diese Rechtfertigung trifft auf die heutige Zeit nicht mehr zu. Und auf Bulgarien und Rumänien trifft das schon einmal gar nicht zu. Diejenigen, die neben den Russen darunter zu leiden haben werden – und Russland wird natürlich entsprechend militärisch reagieren — das wird der bulgarische, der rumänische, oder auch der polnische Steuerzahler sein.

Das Ganze ist in jedem Fall ein Schritt gegen die Abrüstung in Europa. Eine offizielle Reaktion der Bundesregierung gibt es darauf noch nicht. Aber was glauben Sie, wie wird diese Reaktion wohl ausfallen?

Die wird nicht negativ ausfallen. Die Bundesregierung ist bei der Eskalationspolitik der US-geführten NATO immer dabei. Und die Bundesregierung ist mit der Bundeswehr ein wesentliches Element der NATO-Speerspitze in Osteuropa. Hier findet eine Eskalation statt, die Europa nicht braucht, die auch Osteuropa de facto nicht braucht, die Russland nicht braucht — aber offensichtlich unser “großer Bruder” jenseits des Teiches benötigt.

Sie selbst sind Mitglied im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages. Wie beobachtet man dort die Entwicklung der US-Außenpolitik? Geht man damit völlig konform, oder gibt es hinter vorgehaltener Hand einige Bedenken? 

Also bei den übrigen Parteien — von SPD über CDU und Grüne — sehe ich da keinerlei Bedenken. Selbst bei den Grünen sehe ich da keine lautstarken Bedenken. Bei der CDU und der SPD findet man das alles richtig, was die USA sagen. Das ist eine Transatlantiker-Gruppierung innerhalb der Politik in Berlin, und nur wer ein strammer Transatlantiker ist, kann auch im Verteidigungs- und im Auswärtigen Ausschuss sitzen. Da ist die LINKE die einzige Partei, die einzige Fraktion, die eine ganz andere Auffassung vertritt. Aber alle übrigen Parteien gehen da in gewisser Weise hirnlos mit konform.

Interview: Marcel Joppa

http://de.sputniknews.com/politik/20160331/308869077/usa-europa-panzer-bundesregierung.html#ixzz44VfQhT1g

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Germany’s “brainless compliance” with US military build-up in Eastern Europe — interview with Dr. Alexander Neu

From Fort Russ

“For this you need obedient vassals in Europe – and they have them” — Alexander Neu

Sputnik Germany, March 31, 2016

Translated from German by Tom Winter, May 2, 2016. 

News items based on this interview are showing up on the web. We found the original. Marcel Joppa, for Sputnik.de, interviews Dr. Alexander Neu, Bundestag member from Die Linke.

The US wants to strengthen its presence in Eastern Europe with soldiers, tanks and heavy military equipment. The federal government is silent officially, but many government politicians are openly standing behind Washington. “CDU, SPD and Greens go along with brainless compliance,” criticizes Dr. Alexander Neu, who represents the Left Party Defense Committee.

MJ: Dr. Neu, the USA is locating an entire brigade of its soldiers in the east of Europe. They are supposed to rotate between different States. How do you rate this project?

AN: According to media reports the transfer is supposed to take place in early 2017 to 2018. That is, if Russia is so provocative as the Americans claim, it rather surprises me that they can let it go till February 2017. Given such a big Russian threat, as suggested by the Americans, I would have thought that it would have to be more immediate. That shows me that Russian aggression is not the basis, but that they are propounding a risk that isn’t there. They are trying to generate Russophobia in Europe.
In a statement by the Defense Department in Washington, this redeployment was a reaction to the “aggressive course Russia is on.” That sounds like an argument straight out of the Cold War.

I do not see where the aggressiveness of Russia is. One can of course argue about the Crimea, as you can create different assessments of international law. I have my own assessment, in light of the destruction of Yugoslavia by the West and the recognition of the Yugoslav states and Kosovo. After all, one can not argue one way in Crimea and another way in Yugoslavia. 

The West has created this precedent itself. Also in the eastern Ukraine one has to admit: The coup did not come out of Russia, but from the West – as the elected government of Yanukovych did not want to sign the EU Association Agreement. So I do not see that the Baltic states, Romania, Bulgaria, Poland are territorially harassed or threatened in any way. So this is a very abstract and fictitious threat. One has the feeling that certain Eastern European countries and their elites, and American elites, are all of them sowing and fertilizing threat scenarios. And thus, a Russian policy of aggression Russia is suggested, but has no material basis.

MJ: The planned US troop redeployment is to include 4200 soldiers, 250 tanks and other military equipment. The upgrade in Eastern Europe will begin in early 2017. President Obama has also announced an increase in US defense spending for Europe. Where is United States foreign policy headed?

AN: The Americans obviously want to keep their anti-Russian brew simmering in Eastern Europe and Central Europe. Somehow, it is believed that you have to keep Russia at bay, because Russia will not submit itself to Western ideas. They consider that they have to keep Russia in a period of conflict, under a military conflict. For this you need obedient vassals in Europe – and they have them.

With Poland and the Baltic states, one could of course, argue that they have their own history which has shaped their views. But this justification is no longer true at the present time. And with Bulgaria and Romania it doesn’t hold at all. Those who will suffer alongside the Russians include – and Russia will naturally react militarily – will be the Bulgarian, Romanian, or even the Polish taxpayers.

MJ: The whole thing is in any case a step against disarmament in Europe. There has not been an official response of the federal government. But can you imagine how the reaction will turn out?

AN: It will not be negative. The federal government is on board in the escalation policy of US-led NATO, always. And the federal government with its Bundeswehr are an essential element of NATO’s spearhead in Eastern Europe. Here is where an escalation takes place, which Europe does not need, that also Eastern Europe de facto does not need, that Russia does not need – but that obviously our “big brother” on the other side of the pond needs.

MJ: You yourself are a member of the Defence Committee of the German Bundestag. How do they look upon the development of US foreign policy? Are they completely in agreement, or there is some concern behind closed doors?

AN: So within the other parties – the SPD plus the CDU and the Greens – I see no objections. Even amog the Greens, I see no vociferous concerns. In the CDU and the SPD they think it’s all good, what the US says. This is a transatlanticist-grouping within the policy in Berlin, and only those with a strong transatlanticist bent, can sit in the Defense and the Foreign Affairs Committee. That leaves the Left as the only party, the only fraction that represents an entirely different view. But all the other parties go there somehow with mindless conformity.

http://www.fort-russ.com/2016/05/germanys-brainless-compliance-with-us.html

PRESSEMITTEILUNG: Neue Friedenspolitik statt NATO-Aggression — Sahra Wagenknecht

DIE LINKE

PRESSEMITTEILUNG


29.04.2016 SAHRA WAGENKNECHT

Neue Friedenspolitik statt NATO-Aggression

„Bundeskanzlerin Angela Merkel begeht eine unverantwortliche Provokation, wenn sie 75 Jahre nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion die Bundeswehr zur russischen Grenze schickt“, erklärt Sahra Wagenknecht, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. Wagenknecht weiter:

„Die Bundesregierung handelt brandgefährlich, wenn sie das aggressive Spiel der NATO blind unterstützt. Eine dauerhafte Präsenz von NATO-Kampftruppen an der russischen Grenze widerspricht den bestehenden Vereinbarungen mit Russland. EU-Osterweiterungen und NATO-Truppenaufmärsche sind Gift für Frieden und Stabilität in Europa. Die Entsendung von Kampfeinheiten der Bundeswehr an die russische Grenze gefährdet die vitalen Interessen der deutschen Bevölkerung. Der Deutsche Bundestag muss darüber beraten.“

http://www.linksfraktion.de/pressemitteilungen/neue-friedenspolitik-statt-nato-aggression/

Wagenknecht calls for new peace policy instead of NATO’s ‘aggressive game’; press release on sending Bundeswehr troops to the Russian border

From Fort Russ

Die LINKE [The Left Party]
April 29, 2016
Translated from German by Tom Winter April 30, 2016

New peace policy instead of NATO aggression

“Chancellor Angela Merkel is committing an irresponsible provocation, when, 75 years after the attack on the Soviet Union, she is sending the Bundeswehr to the Russian border,” said Sahra Wagenknecht, Chairman of DIE LINKE.

Wagenknecht further: “The federal government is playing with fire if they blindly support NATO’s aggressive game. A permanent presence of NATO combat troops on the Russian border is contrary to the existing agreements with Russia.

EU eastward expansion and the NATO troop parades are poison for peace and stability in Europe. The deployment of combat units of the Bundeswehr to the Russian border threatens the vital interests of the German population. The German Bundestag must debate it.”
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On the same subject, click “Forgetting History”

http://www.fort-russ.com/2016/04/wagenknecht-press-release-on-sending.html